Veranstaltungsreihe: „Ain‘t no room for me in the city? Alte und neue Perspektiven auf die umkämpfte Stadt.“

„Ain‘t no room for me in the city? Alte und neue Perspektiven auf die
umkämpfte Stadt.“

Plakat \"Ain\'t no room for me in the city?\"
Flyer "Ain't no room for me in the city?"

Wer wohnt wo, und was wird wo verkauft? Wer kann sich wo in der Stadt
frei aufhalten? Was lächelt dich da vom nächsten Werbeplakat an? Was hat
es eigentlich mit diesem „Recht auf Stadt“ auf sich, von dem immer alle
reden? Für wen und von wem wird dieses Recht erstritten? Und was haben
zum Beispiel die Kämpfe der Refugees auf dem Berliner Oranienplatz mit
Widerstand gegen Zwangsräumungen und mit sozialen Zentren zu tun? Indem
wir uns und euch diese Fragen stellen, wollen wir die immer lauter
werdende Forderung nach einem Recht auf eine Stadt für alle mit anderen
emanzipatorischen Bewegungen und Kämpfen verknüpfen. Es geht dabei um
Rückaneignungen und selbstbestimmte Gestaltung von Räumen, die ansonsten
kapitalistisch verwertet und nach sexistischen und rassistischen Normen
vereinheitlicht werden. So schauen wir etwa auf historische Formen des
Widerstands in Marburg, setzen uns mit postkolonialen Perspektiven auf
Stadt auseinander, fragen nach feministischen Wohn-Utopien und basteln
selber an der bunteren Stadt von morgen.

Hier gibt es das Programm inklusive Ankündigungstexte zu den einzelnen
Veranstaltungen:

25. April / 19.00h – Baari-Bar (beim Cafe Trauma):
„Decolonize your city!“
Prozesse der Rassifizierung im Kontext neoliberaler Stadtproduktion
mit Noa Ha

In dieser Veranstaltung steht der Zusammenhang von Rassifizierung und
städtischer Produktion in Zeiten der neoliberalen Inwertsetzung von
städtischem Raum im Fokus. Zum einen werden dekoloniale (‚Kolonialität
der Macht‘ von Anibal Quijano) und rassismuskritische (Critical Race
Theory, Kritische Weißseinsforschung) Ansätze vorgestellt und für eine
Übersetzung in den deutschen Kontext der Stadtproduktion überprüft.
Unterschiedliche Momente – wie die Kämpfe von geflüchteten Menschen im
öffentlichen Raum, der Zusammenhang von Stadtplanung und Migration
(Stichwort soziale Mischung) oder auch die Debatte um das Humboldtforum
in Berlin – verweisen auf den unabgeschlossen Prozess der Dekolonisation
und die Erben des Kolonialismus, die bis heute fortwirken und sich in
rassifizierende Wissensbestände und städtische Entwicklungspolitik
einschreiben. Diese verschiedenen Momente werden mittels der
vorgestellten Ansätze aufeinander bezogen, um sie in ihrer Bedeutung für
ein Recht auf Stadt zu beleuchten und zu diskutieren.

8. Mai / 16:00h am Bettenhaus (Emil-Mannkopfstr.6):
Antifaschistischer Stadtrundgang

Am 28. März 1945 wurde Marburg kampflos von den amerikanischen
Streitkräften erobert, am 8. Mai 1945 kapitulierte das Dritte Reich und
der Zweite Weltkrieg endete in Europa. Ein großer Teil der Deutschen und
auch Marburger Bevölkerung beteiligte sich während dieser Zeit aktiv an
den Verbrechen des Faschismus oder duldete diese zumindest. Auch die
Mehrheit der Studierendenschaft stand fest hinter dem Faschismus.
Doch gab es stets Menschen, die sich mutig gegen die faschistische
Diktatur stellten und unter Einsatz ihres Lebens für politische
Freiheiten und soziale Verbesserungen kämpften. Sie alle strafen das
Gerede von der Ohnmacht des Einzelnen Lügen, weil sie zeigen, dass
Widerstand und der Kampf für das schöne Leben unter widrigsten
Bedingungen möglich sind.
Wir möchten am 8. Mai an die Verbrechen des NS-Regimes und den
Widerstand dagegen erinnern.

11. Mai / 17:00h Cafe Trauma:
Recht auf eine Stadt ohne Sexismus
Kreativ-Werkstatt-Café

Wo und wie begegnen wir Sexismus und genormten Rollen-Bilder alltäglich,
wenn wir aus dem Haus gehen? Was macht das mit der Wahrnehmung unserer
selbst und anderer? Wie wirken hier andere Formen von Diskriminierung
mit Sexismus zusammen? Und welche Interessen stecken dahinter? Wir
wollen mit euch in offener Runde darüber diskutieren. Dann wird’s
kreativ: wir suchen bastelnd nach konkreten Ausdrucksformen, um der
Stadt einen feministischeren Anstrich zu verpassen! Dazu gibt`s Kaffee
und Kuchen. All genders welcome.

19. Mai / Ort und Zeit wird noch bekannt gegeben:
Domestic Utopias
Feministische Wohnutopien der Moderne revisited
mit Felicita Reuschling

Das Bild der Revolution war in der Arbeiterbewegung traditionell auf
Öffentlichkeit und die Aneignung von zuvor privatisierten industriellen
Produktionsmitteln gerichtet. Der Organisation der Lebensform wurde
weniger Beachtung geschenkt. Demgegenüber wird der Input – anknüpfend an
die Ausstellung »Domestic Utopias« – Konzepte aus dem 20. Jahrhundert
für eine »grand domestic revolution« vorstellen.
Im Anschluss an den Input zu den vorwiegend historischen Beispielen gibt
es Gelegenheit aktuelle Wünsche und Erfahrungen mit Wohnutopien dazu in
ein Verhältnis zu stellen. Was erscheint veraltet oder futuristisch und
in welchem Kontext werden heute feministische Wohnutopien diskutiert?