Care what? Care-Revolution!

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Zwei Wochen sind nun vergangen seit den Blockupy Aktionstagen und wir möchten euch auch nach dem gut besuchten und gemütlichem Nachbereitungs-Grillen noch einen Leckerbissen quasi zum Nachtisch servieren.
Neben unsere unten stehenden Rede zu den gelaufenen Care-Mob-Aktionen möchten wir auch unseren dazugehöriger Flyer ‚who cares?‘ mit euch teilen, hier als pdf zum download.

All dies ist für uns ein Teil feministischer Interventionen, einerseits in die auch eigene Bewegung, Analyse und Kritik. Andererseits auch als weiterer Schritt dazu, dass Unsichtbare sichtbar zu machen, denn: ‚ohne kochen, putzen, pflegen, sorgen, kurz: ohne Care – geht nix mehr!‘
Dabei wollen wir uns auch bei Allen die dabei waren und dabei sind bedanken, ohne eure Unterstützung wer all das Erlebte und Getane so nicht möglich geworden!

In diese Sinne: Auf zum Care-Mob, und hier unsere dazugehörige Rede:

„Wir wollen mit Care-Mobs durch die Zeil schrubben und zeigen, was die Krisenpolitiken mit den Menschen in ihrem Alltag anrichten.

Wir stehen heute hier weil wir solidarisch an die Aktionen der Zeil anknüfpen, die ungerechte Arbeitsteilung in der globalisierten Textilindustrie angehen wollen. Doch wir könnten ebenso an jedem anderen beliebigen öffentlichen Ort dieser Stadt und anderer Städte weltweit stehen, denn uns geht es um eine radikale Umwälzung unserer sozialen Verhältnisse – um eine Care Revolution!!

Denn was diese Orte des öffentlichen Lebens alle ausmacht, ist, dass hier etwas fehlt.
Was hier nicht bloß zufällig fehlt, sondern permanent unsichtbar gemacht wird sind all die Tätigkeiten, die unser alltägliches Leben erst ermöglichen.  
 
Tätigkeiten, die wir alle tägtäglich tun und in Anspruch nehmen…wenn wir uns um Freund*innen oder Angehörige kümmern, Kinder betreuen, Einkaufen gehen, den Haushalt machen, wenn wir uns gegenseitig aufpeppeln, weil der Tag auf der Arbeit schon wieder so beschissen war…
 
Tätigkeiten, die dafür sorgen, dass die öffentlichen und privaten Räume nicht von Dreck überquellen.
Tätigkeiten, die Menschen in Anspruch nehmen, die Pflege bedürfen.
 
Tätigkeiten, die wir alle brauchen.

Diese Tätigkeiten der Sorge (also Fürsorge, Umsorge, Besorgen und Entsorgen) umschreiben wir mit dem englischen Begriff Care. Daher sprechen wir auch von einer Care Revolution als einer fundamentalen Umwälzung unserer sozialen Verhältnisse.

Care-Arbeiten sind genau die Tätigkeiten, die für Gesellschaften und Gemeinschaften eine zentrale Rolle spielen. Diese wesentliche Arbeit wird zum Großteil von Frauen* und MigrantInnen verrichtet. Hier geht kapitalistische Ausbeutung mit rassistischer und sexistischer Ausbeutung Hand in Hand. Care-Arbeit wird kostengünstig an Frauen* delegiert, ins Private abgeschoben und unsichtbar gemacht. Und nicht in ihrer Wichtigkeit für unser aller Zusammenleben anerkannt.
 
Sie werden nicht als gesellschaftlich notwendige Arbeit anerkannt, sondern abgewertet und einer individuellen Lösung überlassen.

Diese Abwertung hat im Kapitalismus System. Überall dort wo Mehrwert produziert werden kann wird „investiert“. Das ist bei der Care-Arbeit nicht der Fall. Und deshalb ist sie für den Kapitalismus weniger funktional und wichtig. Durch die kostengünstige Erledigung durch Frauen* wurde eine „bequeme“ Lösung gefunden, der wir bei der Care-Revolution den Kampf ansagen!

Seit 2007 ist die Krise, die der Kapitalismus ist, mehr als offensichtlich. Care-Arbeiten hingegen bleiben weiterhin unsichtbar und befinden sich in einer dauerhaften und ständigen Krise, die durch aktuelle Sparpolitik und neoliberale Umstrukturierung noch weiter verschärft wird.
Dies übt einen enormen Druck auf alle Bereiche der sozialen Reproduktion aus, weil im Privaten ausgeglichen werden muss, was öffentlich gekürzt wurde. Stress und Überlastung sind oftmals die Folgen, die v. a. Frauen* tragen.

Gleichzeitig hinterfragen immer mehr Frauen* die ihnen zugewiesene traditionell zugeschriebenen Rollen und sind nicht mehr bereit oder fähig die erwartete Care-Arbeit zu leisten. Es entsteht eine Vereinbarkeitsproblematik, die durch fehlende wohlfahrtsstaatliche, partnerschaftliche Lösungen und neoliberale Umstrukturierung zu einer Versorgungslücke verstärkt wird. Diese Versogungslücken werden oftmals von migrierenden Frauen* gefüllt. Dabei findet die Auslagerung von Reproduktionsarbeiten entlang früherer kolonialer Verbindungen statt. Dabei entsteht eine neue Form postkolonialer und rassistischer Unterdrückungsverhältnisse, auf die der Kapitalismus schon immer angewiesen war, ist und auch in Zukunft angewiesen sein wird. So wird das Los unbezahlter Reproduktionsarbeit zwischen Frauen* hin und her manövriert anstatt sie zum Thema gesellschaftlicher Auseinandersetzung zu machen.

Dabei sind Frauen jedoch unterschiedlich betroffen. Es profitieren die Familien, die sich zusammen mit Care die Auslagerung von Stress, Überbelastung und Rollenkonflikten leisten können. Die Kosten tragen die migrierenden Frauen* und die Familien, wenn sie die entstandenen Lücken füllen müssen. Darüber hinaus sehen sie sich einem autoritären Migrationsregime und mit Alltagsrassimus konfrontiert. Viele Frauen* migrieren und arbeiten illegalisiert, wodurch sowohl die Care-Arbeiten als auch die Care-Arbeitenden erneut gesellschaftlich unsichtbar gemacht und der Willkür in den Privathaushalten ausgesetzt werden. Dennoch sind migrierende Frauen* Akteur*innen sozialen Wandels und es gilt, mit ihnen gemeinsam für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen aller Menschen zu kämpfen!

Wir nehmen heute bei den Aktionen und Blockaden auf der Zeil als Care-Mob teil, um die Care-Seite der Krise sichtbar zu machen. Um gegen Sexismus und Rassismus zu kämpfen und um eine feministische Praxis in der Krise einzufordern.

Das Geschäft wurde hier mit Care-Utensilien blockiert, um zu zeigen, dass ohne Care-Arbeit alles nur noch Scheiße ist und die ganze Gesellschaft blockiert wäre.

Es geht darum, das Unsichtbare sichtbar zu machen!

Es geht darum, Care-Arbeit aus der Unsichtbarkeit der Krisenanalysen zu holen und als gesellschaftlich relevante Debatte in den öffentlichen Raum zu tragen!

Denn letztlich geht es bei der Frage nach Care um die Frage nach einem guten Leben für ALLE!!!

Auf zum Care-Mob! Für die Care Revolution!“