Ergebnisse der kleinen Umfrage zu Sorgearbeit zum 8.März 2013 Infostand

Auch bei unserer zweiten kleinen Umfrage und den Gesprächen zu Sorgearbeit wurde deutlich, dass die Befragten sehr viele unterschiedlichen Aspekte mit diesem Thema verbinden.
CareRevolution
So wurde im Bezug auf die Frage, was gerade nicht so gut bei der gesellschaftlichen Organisation von Sorgearbeit läuft, erstens auf die ungleiche Verteilung zwischen den Geschlechtern eingegangen. Hauptkritikpunkt war hier, dass die Zuständigkeit für Sorgearbeit nach wie vor eher Frauen zugeschrieben wird. Dabei wurde z.B. die antiquierte Rollenverteilung erwähnt, die sich auch darin niederschlägt, dass es immer noch nicht die Regel ist, dass Männer sich in gleichem Maße an der Erziehung von Kindern beteiligen. Zweitens wurde mehrmals auf den Aspekt der mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung von Sorgearbeit eingegangen, was sich auch auf deren Organisation auswirkt. Drittens wurde kritisiert, dass Sorgearbeit, die als Lohnarbeit ausgeführt wird, unter teilweise unzumutbaren Arbeitsbedingungen erledigt und dazu noch viel zu gering bezahlt wird . Viertens wurde auch das Thema von Unterhaltszahlungen sowie die zu geringe Anzahl von Betreuungsplätzen für Kinder angesprochen.
Auch die Antworten zur zweiten Frage, was die Befragten gerne daran ändern würden, drehten sich um die bereits genannten Aspekte. So wurde erstens das Aufbrechen der Rollenvorstellungen und eine Umverteilung von Sorgearbeit als nötige Veränderung beschrieben. Zweitens wurde eine stärkere Anerkennung der gesellschaftlichen Wichtigkeit dieser Arbeit gefordert. So sagte eine Person, dass sie durchaus bereit ist, Sorgearbeit zu leisten, wenn diese mehr gesellschaftliche Wertschätzung erfahren würde. In Bezug auf lohnförmig verrichtete Sorgearbeit wurden bessere Bezahlung sowie Verbesserungen der Arbitsbedingungen, aber auch eine generelle Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von oben nach unten verlangt. Weiterhin wurde gefordert, dass z.B. durch Betriebskindergärten erleichtert werden sollte, Lohnarbeit und die Sorge für Kinder zu verbinden. Auch die finanzielle Unterstützung von einkommensschwachen Personen, die lohnförmig organisierte Sorgearbeit in Anspruch nehmen müssen, weil sie z.B. pflegebedürftig sind, wurde genannt. Mehrere Befragte betonten außerdem, dass es endlich eine generelle Gleichberechtigung der Geschlechter geben muss.

Wir danken allen Beteiligten für ihre Antworten und die spannenden Gespräche. Wir hoffen, dass wir mit dem Infostand und der Befragung einen weiteren Anstoß liefern konnten, sich über Sorgearbeit in all ihren Facetten Gedanken zu machen und bleiben auf jeden Fall an dem Thema dran.

Daher freuen wir uns auch sehr, falls weitere Menschen Lust haben uns ihre Gedanken zu dem Thema „Sorgearbeit“ mitzuteilen (Kontaktmöglichkeiten siehe unter dem Button „Kontakt“). Die Materialien, die wir beim Infostand dabei hatten, sowie die Umfrage findet ihr im Artikel „Infostand zum Frauenkampftag“. Eine kurze Auswertung zur ersten Umfrage, die wir während der Demo des Krisenbündnisses am 9. Februar 2013 durchgeführt haben, findet ihr hier: http://krisemarburg.blogsport.eu/2013/02/13/sorgearbeit/