Zwangsräumungen verhindern! Wohnraum vergesellschaften!

Solidaritätserklärung im Rahmen der Aktion „Zwangsräumungen verhindern!“

Am Mittwoch, den 27.02. 2013, sollte die 67- jährige Rosemarie F. aus ihrer Wohnung in Berlin Reinickendorf geräumt werden – wegen vermeintlicher Mietschulden, für die das Sozialamt aufkommen muss und obwohl ihr, laut ihrem den Aussagen ihres Arztes „[…] der Stress einer Wohnungsräumung absolut nicht zumutbar […]“ sei. In letzter Sekunde wurde die Räumung per Gericht mindestens bis zum 6. März ausgesetzt – ein erster Teilerfolg für die 200 UnterstützterInnen vor Ort. Die übertriebene Polizeipräsenz und das bereits begonnen worden war die Wohnungsschlösser auszutauschen, hätten sich die Behörden also getrost sparen können.
Reinickendorf

Fälle wie der von Rosemarie F. häufen sich. In Berlin gibt es ca. 20 Zwangsräumungen pro Tag. So wurde erst vor zwei Wochen die Familie Gülbol durch ein massives Polizeiaufgebot aus ihrer Wohnung in Berlin Kreuzberg geräumt – trotz dem solidarischen Protest von 1000 AnwohnerInnen. Dies zeigt, dass Zwangsräumungen nicht mehr still und leise durchgeführt werden können, sondern auf lauten und entschlossenen Widerstand treffen!

Dies sind nur zwei Beispiele von vielen, die exemplarisch für die Inwertsetzung von Wohnraum und Immobilien stehen. Bezahlbare Sozialwohnungen werden privatisiert, luxussaniert und zu horrenden Preisen verkauft. Innerstädtischer Wohnraum wird für GeringverdienerInnen unbezahlbar und führt zu deren Verdrängung an die Stadtränder. Diese Tendenzen werden in Krisenzeiten noch verschärft. Wohnraum wird als vermeidliches „Betongold“ zum Spekulationsobjekt, was in unsicheren Zeiten für AnlegerInnen hohe Renditen verspricht.

Diese Entwicklung zeichnet sich auch seit längerem in Marburg ab. Trotz stetig steigender Studierendenzahlen schaffen weder die Stadt, noch das Studentenwerk neuen, bezahlbaren Wohnraum. Zu Beginn jedes Semesters sind Studierende auf Notquartiere angewiesen, doch die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf. Da die Durchschnittsmiete im Innenstadtbereich mittlerweile bei etwa 11 Euro/Quadratmeter liegt, müssen viele Studierende, aber auch GeringverdienerInnen und junge Familien auf das entfernte und infrastrukturell schlecht angebundene Umland ausweichen.

Um auf diese Problematiken aufmerksam zu machen besetzten vor 2 Wochen etwa 150 AktivistInnen eine alte und mittlerweile an einen Privatinvestor verkaufte Schule im Innenstadtbereich und forderten bezahlbaren, innerstädtischen Wohnraum fern der kapitalistischen Profit- und Verwertungslogik sowie ein soziales Zentrum als Antwort auf die stetige Privatisierung von öffentlichem Raum.

Das nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg, Marburg und anderen Städten in Europa Kämpfe um Wohnraum geführt werden, zeigt dass die Inwertsetzung von Wohnraum kein regionales, sondern vielmehr ein europaweites Problem ist. So gingen erst letzte Woche in Spanien mehrere 10.000 AktivistInnen in verschiedenen Städten gegen Zwangsräumungen auf die Straße. Dort wird seit längerem gesellschaftlich gegen Zwangsräumungen mobil gemacht und mittlerweile ist dort das gesellschaftliche Bündnis gegen Zwangsräumungen so weit gediegen, das sich sogar Schlüsseldienste weigern, in den betroffenen Wohnungen die Schlösser auszutauschen.

Europaweite Solidarität mit allen Betroffenen von Zwangsräumungen!

Solidarische Grüße aus Marburg an Rosemarie F. und alle AktivistInnen die sich GerichtsvollzieherInnen und Polizei in den Weg stellen!

Wir bleiben alle!