Willkommen in Marburg – Let‘s get ready to rumble!

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Humor ist, wenn man trotzdem lacht

„Wir freuen uns über den Zuwachs! Sollten die Studierenden Grund zur Klage oder Verbesserungsvorschläge haben, können sie sich jederzeit an die Studiendekane ihres Fachbereichs wenden“, sagt Uni- Präsidentin Krause. Dieses humorvolle Zitat ließ sich kurz vor Beginn des Wintersemesters 2011/2012 der Unihomepage entnehmen. Anlass war der letztjährige Studierendenzuwachs an den Unis. Auch dieses Jahr werden an der Uni Marburg im Wintersemester wieder 1090 Studierende mehr studieren als im letzten Jahr um die gleiche Zeit. Die Studierendenzahl beträgt dann 22. 500, bei einer 80. 000 EinwohnerInnenstadt wie Marburg stimmt der Ausspruch „Marburg hat keine Uni, sondern ist eine Uni“ mehr denn je. Doch was wird eigentlich getan, um den erhöhten Bedarf an Studienplatzen, Wohnraum und städtischer Infrastruktur zu decken? Bisher nahezu nix. Wohnraum ist in Marburg ohnehin Mangelware, seit Jahren gibt es Notbettenlager zu Beginn des Wintersemesters, einige Studis zelten auch – Not macht halt erfinderisch. Erfindungsreich ist auch ein Vorschlag des Studentenwerkes: mit der Kampagne „Wohnen gegen Hilfe“ sollen nun Studis ausgediente Kinderzimmer bewohnen und dafür als Ersatzhausangestellte, Babysitter oder ähnliches herhalten. Neue Wohnheime und bezahlbarer Wohnraum für Studis im Stadtzentrum wurden schon seit Jahren nicht mehr geschaffen. Und wenn studentischer Wohnraum entstand, dann wie im Falle der überteuerten Appartments zwischen Philosophischer Fakultät und Mensa. Und MitbewohnerInnen sind nicht inklusive – gefördert wird hier das individualisierte Wohnen und nicht etwa kollektives und selbstorganisiertes Zusammenleben. Gleichzeitig wird eine immense Aufwertung der Nordstadt durch das Zusammenspiel von Stadt und dem Gründer der deutsche Vermögensberatung AG (DVAG), Rheinfried Pohl vollzogen. Es scheint als strukturiert sich der Investor das Viertel nach belieben um, baut riesengroße Konferenz-Zentren mit dazuge¬hörigen Parkhäusern und Luxusläden, gern auch un¬terstützt durch „großzügige“ Spenden ins Stadtsäckel. Bedürfnisorientiertes Wohnen sieht anders aus. Hier zeigt sich wieder einmal der Irrsin kapitalistisch organisierten Wohnens. Es geht eben um Profit und nicht um unsere Bedürfnisse.

It‘s capitalism stupid: Sparen! Sparen! Sparen!

Das Raumproblem geht an der Uni weiter. Neue Räume – Fehlanzeige, stattdessen halt Videoübertragungen, auf dem Boden sitzen, im Gang stehen oder gleich Seminarwartelisten. Gut studieren und leben sieht wohl anders aus! Und immer wieder die gleicher Leier: Kein Geld da – Sparen! Der aktue l le Vertrag, der die Finanzierung der hessischen Unis und FHs regelt, der sogenannte Hochschulpakt, wurde erst letztes Jahr bis 2015 festgezurrt. Mehr Kohle gibt es damit des rasant wachsenden Bedarfs nicht. Die schwarz- gelbe Landesregierung, welche seit Jahren die mangelnde Finanzierung der Hochschulen vorangetrieben hat, lehnte konsequent das gefor¬derte Notprogramm in Höhe von 25 Millionen pro Semester ab. Und eine große Zahl der Betroffenen von der Sparpolitik in der Bildung ist ohnehin erst gar nicht an den Unis zu finden. So sorgt das hochgradig se¬lektive Schulsystem schon seit Jahrzehnten dafür, dass die, deren Eltern sich mit Hartz IV oder Billiglohn-Jobs über Wasser halten müssen, kaum eine Chance haben überhaupt Abitur zu machen und so eine Hochschul¬zugangsberechtigung zu erhalten. Und selbst wer es geschafft hat, sich trotz G8, krassem Leistungszwang und überarbeiteten Lehrkräften bis zum Abitur durch¬zuschlagen ist noch nicht am Ziel angekommen. Viele haben nämlich erst gar keinen Studienplatz bekommen, ihre Anzahl ist in den letzten Jahren sogar stetig angewachsen und hat in diesem Wintersemester einen neuen Rekord erreicht. So gibt es Fächer wo auf einen Studienplatz mehrere hundert BewerberInnen kommen. Und die, die einen Platz ergattern konnten sollen dann möglichst schnell und effektiv für den Arbeits
markt fit gemacht werden. Orte für kritisches Denken und die Auseinandersetzungen über den eigenen Studienfach- Tellerrand werden immer mehr aus der Wissensfabrik Uni verdrängt.
Wie unsere Uni ihre Finanzlöcher stopfen will ist eine spannende Frage. Die erste Antwort hat sie damit gegeben, dass sie die ohnehin schon unterbezahlten und überlasteten Reinigungskräfte nun nicht weiterbeschäftigt. Stattdessen wurde ein neuer Vertrag mit einer noch ausbeuterischen Leiharbeitsfirma abgeschlossen. Resultat: Die Reinigungskräfte verdienen noch weniger und müssen dafür auch noch mehr Räume in noch we¬niger Zeit reinigen. Eine Stellungnahme des Unisenats diesbezüglich macht deutlich, dass es auch in Zukunft nicht besser wird:Eine Reintegration der Reinigungs¬kräfte in den Unibetriebe würde zwar bessere Arbeits¬bedingungen schaffen und auch die Qualitität verbes¬sern, aus Kostengründen wird dies aber nicht in Frage kommen.

Money, money, money – it´s a rich man´s world…

Wo soll dieses, nicht nur an den Unis zu beobachtende, Spardiktat hinführen? Zunächst bleibt der ewige Eindruck, es sei Überhaupt kein Geld da. Ein kurzer Blick auf die aktuelle Vermögensverteilung der Bundesrepublik zeichnet ein anderes Bild: Das Nettoprivatvermögen beträgt rund 7,5 Billionen Euro, davon besitzt allein das reichste Zehntel rund die Hälfte des Ge¬samtvermögens, im Gegensatz dazu entfällt auf 50% der Menschen nur 1% der Gesamtbesitzes. Es liegt der Schluss nahe, dass sich die Logik des Sparwahns ganz wunderbar gut mit der seit langem laufenden Umverteilung von unten nach oben verträgt. Gekürzt wird bei den sozial Schwachen: Nicht nur die Reinigungskräfte an den Unis müssen im Namen des allgegenwärtigen Sparwahns geringere Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen. Jede fünfte Person in der Bundesrepublik arbeitet mittlerweile im von prekären Arbeitsverhältnissen gekennzeichneten Niedriglohnsektor. Insbesondere Frauen sind davon betroffen, sie stellen rund 70% der prekär Beschäftigten in den nicht-existenzsicherenden Arbeitsverhältnissen.In den letzten zehn Jahren wuchs diese Gruppe der Beschäftigten um zwei Millionen Menschen an. Ebenfalls betroffen von der Entwicklung sind sogenannte Geringqualifizierte aber auch Studierende, die sich ihr Studium teilweise oder ganz selbst finanzieren.

The spirit of revolution

Doch dass nichts so bleiben muss wie es ist und sich einiges verbessern kann, wenn wir dafür kämpfen, ha¬ben weltweite Bildungsstreiks und Studierendenboykotts in der Vergangenheit gezeigt. Egal ob Demos mit mehreren Tausenden, Autobahnblockaden, Seminar- Streiks oder Uni- Besetzungen, sie alle haben dazu beigetragen, dass es an der Uni überhaupt noch halbwegs studierbar ist. So wurde z. B. in Hessen die Rücknahme der Studiengebühren erkämpft. Und auch an der Uni hier in Marburg haben unter anderem die Kämpfe der Hilfskraftinitiative zu einer Erhöhung der Löhne und für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen geführt.
International zeigen unsere europäischen Nachbarländer, dass es sich lohnt für eine gute Ausbildung, bezahlbaren Wohnraum, demokratische Mitbestimmung, kurz gesagt – für ein gutes Leben, auf die Straße zu gehen. In den letzten Tagen fanden sich wieder Tausende von Menschen auf den Plätzen und Straßen Spaniens,Griechenlands und Frankreichs ein um gegen den autoritären Krisenkurs und die menschenverach¬tenden Sparauflagen der EU zu demonstrieren. Tun wir es ihnen gleich! Ob Blockupy oder M31,die Krisenpro¬teste im Mai diesen Jahres in Frankfurt markierten ei¬nen ersten Höhepunkt der Krisenproteste in Deutsch¬land. Bleiben wir weiterhin laut, finden uns spontan zusammen, tun völlig Unerwartetes und versuchen so, der anderen, besseren Gesellschaft näher zu kommen. Machen wir die notwendigen Schritte damit sich überhaupt etwas ändert. Das „Ende der Geschichte“ ist noch lange nicht erreicht.

Seit 2000 arbeitet die Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t im Marburger Hochschulmilieu an der Ausbreitung emanzipatorischer Theorie und Praxis. Inzwischen engagieren sich Studierende, Promovierende, Erwerbslose und Beschäftigte im Rahmen unserer Gruppe für linke und emanzipatorische Politik. Bun¬desweit sind wir in der Interventionistischen Linken organisiert. Wenn du uns persönlich kennenlernen willst, kannst du uns bei unseren Veranstaltungenoder an einem Infotisch treffen. Wenn Du bei uns mitmachen willst, melde Dich einfach bei uns.

Save the date:
22.10. | 18:30h | Traumakino
Alternative OE: Film „Catastroika“ und Diskussion
23.10. | 20:30h | Café am Grün
Diskussionsveranstaltung mit Paul Wellsow: „Ein Jahr nach der Aufdeckung des NSU“

Her mit dem schönen Leben!
An der Uni und überall! Jetzt!
Let´s push things forward,

Eure Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t.

4dissident@gmx.de
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+++ Akute Wohnraumprobleme?… In Kürze gibt es weitere Infos! Haltet die Augen offen! +++

Grup­pe d.i.s.s.i.d.e.n.t.
Or­ga­ni­siert in der In­ter­ven­tio­nis­ti­schen Lin­ken