Internationaler Frauenkampftag 2012 – die Interventionistische Linke ist dabei

8. März jeden Tag! Für den Feminismus! Die Emanzipation aller Menschen erkämpfen!

Während in den letzten Jahren eine massive sozialstaatliche Umgestaltung vor allem zu Lasten von Frauen* stattfindet, werden in der medialen Öffentlichkeit meist nur „feministische“ Positionen weißer karrierefähiger Frauen* verbreitet, denen der alte Feminismus zu prüde, zu unsexy und zu langweilig scheint. Dadurch wird ein Feminismus formuliert, der für neoliberale Politiken anschlussfähig ist. Vergessen werden dabei all jene (unsichtbar gemachten) Frauen*, die über weniger politische, soziale und kulturelle Ressourcen verfügen. Feminismus als Notwendigkeit gegen neoliberale und konservative „Backlashs“ braucht den Rückblick auf mehr als 100 Jahre soziale Kämpfe, emanzipatorische Bewegungen und kritische Debatten, die immer auch eine Vision einer anderen Gesellschaft entworfen haben. Trotz der Errungenschaften dieser Bewegungen haben die Kämpfe auch heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt – immer noch leisten Frauen* den größten Teil der Reproduktionsarbeit, immer noch werden ungleiche Löhne bezahlt, immer noch ist häusliche Gewalt eine alltägliche Bedrohung,…

Die gesellschaftliche Realität von sozialer Ungleichheit, patriarchalen Unterdrückungsverhältnissen und männlicher Hegemonie zeigt, dass der „historische“ Feminismus nichts von seiner Notwendigkeit verloren hat. Wir wollen anknüpfen an diese feministischen Bewegungen in ihrem Kampf um die Gleichstellung von Frau* und Mann* und gleichzeitig fernab von diesen konstruierten Kategorien Räume für vielfältige Identitäten öffnen. Denn Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität bleiben trotz Aufweichungen im öffentlichen Diskurs entscheidende Strukturelemente in unserer Gesellschaft. Ein 8. März sollte auch die Lebens- und Liebensformen in den Blick nehmen, die nicht in diese heteronormative Matrix passen. In diesem Sinne solidarisieren wir uns mit all jenen in der Welt, die am 8. März demonstrieren, feiern, streiken, sabotieren und die Verhältnisse zum tanzen bringen.

Aktivitäten in den Städten:

Nürnberg

Seit mehreren Jahren findet kontinuierliche Arbeit zum 8.März in Nürnberg statt. Nachdem es bereits 2009 wieder erste Aktivitäten zum Frauenkampftag gegeben hatte, kam es zur Gründung des 8.März-Bündnisses. Ziel des Bündnisses ist es, die Wichtigkeit des 8. März, als Frauenkampftag, wieder hervorzuheben und sowohl das politische Umfeld als auch die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Als Gruppe arbeiten wir dieses Jahr intensiv zum Thema sexuelle Selbstbestimmung, was auch Inhalt unserer Wanderausstellung ist und in unserer regelmäßig erscheinenden Zeitung aufgegriffen wird.

Aktivitäten vor Ort:
Infotische, Aktionen und Ausstellungen: ab 14.00 Uhr in der Nürnberger Innenstadt (Lorenzkirche)
Demonstration: Auftakt 17.30 Uhr an der Lorenzkirche!
Frauenparty zum 8.März: Anne will tanzen – Am 9.März ab 21 Uhr in der Desi (Brückenstraße 23)

Aktuelle Informationen findet ihr auf der 8.März-Bündnishomepage: frauenkampftagnbg.blogsport.de und Veröffentlichungen unserer Gruppe auf redside.tk
Radikale Linke Nürnberg (rl)

Berlin

Kristina Schröder.
Extrem unsozial. Extrem anti-feministisch. Extrem reaktionär.
Betreuungsgeld verhindern!

MitMach-Kundgebung am 09. März ab 15 Uhr am Spreewaldplatz (vor dem Schwimmbad) Hinkommen: U1 Görlitzer Bahnhof // M29 Spreewaldplatz

Unsere Kundgebung wendet sich gegen das von Kristina Schröder geplante Betreuungsgeld, das 2013 eingeführt werden soll. Das Betreuungsgeld richtet sich an Eltern, die während des zweiten und dritten Lebensjahres ihres Kindes keinen staatlichen Kita-Platz in Anspruch nehmen, sondern die Kinderbetreuung selbst organisieren möchten. Als finanziellen „Ausgleich“ bekommen sie dafür ca. 150 € gezahlt.

Wer sich den Gesetzesentwurf genauer anschaut, stellt fest, dass das Betreuungsgeld eine Neuauflage von staatlicher Förderung und Privilegierung der heterosexuellen Kleinfamilie (Vater, Mutter, Kind) ist. Über finanzielle Anreize wird dieses Familienmodell privilegiert und als die normale Lebensform hergestellt. Die Förderung dieser Familienform halten wir als QueerFeminist_innen für reaktionär und nicht tragbar! Was wir brauchen, sind Wahl-Familien, in denen wir unsere verschiedenen Lebensentwürfe und Begehrensweisen umsetzen können!

Wir haben die Schnauze voll von Kristina Schröders reaktionärer Familienpolitik. Wir wollen eine Gesellschaft, in der die Hetero-Kleinfamilie nur eine Lebensform neben vielen ist! Wir wollen am Internationalen Frauenkampftag mit euch über Realitäten und Utopien von Familie diskutieren:

Wie stellst du dir Familie und Elternschaft vor? Mit wem möchtest du leben? Was steht dir dabei im Weg? Was nervt dich an den aktuellen Regelungen, wie z.B. Elterngeld oder Betreuungsgeld? Wie organisierst du deine Haus- und Sorgearbeit? Wie könnte eine emanzipatorische Familienpolitik jenseits von Schröders Politik aussehen?

Komm vorbei! Lasst uns gemeinsam Schröder dissen! Und uns über unsere Kämpfe und Utopien austauschen!

Tübingen

Mit einer Art „Chronik“ möchte die Queerfeministische AG der iL Tübingen in diesem Jahr den Blick auf lokale queerfeministische Ereignisse, Kämpfe und Widerstände richten. Die „Chronik“ ist auf dem Infoportal Tübingen / Reutlingen zu lesen.

Aber dies ist noch nicht alles: Biedere erstarrte Brunnenhelden werden zu unseren Held*innen… Überraschung!

Marburg

Die Care-Seite der Krise – Globale Pflege- und Sorgearbeit und ihre Organisierungsperspektiven

Diskussionsveranstaltung zum internationalen Frauentag
Referentinnen // Anna Stiede // Silke Chorus // Saida Ressel//
Montag den 5.3. um 18.15 Uhr im Café Trauma Marburg

In der Diskussionsveranstaltung möchten wir uns genauer anschauen, wie die Arbeits- und Lebensbedingungen der Care-ArbeiterInnen sich aus einer internationalen, feministischen Perspektive aktuell darstellen und welche Organisierungsversuche es gibt, hier Verbesserungen herbeizuführen. Die aktuelle Diskussion ums Schrödersche Betreuungsgeld, auch „Herdprämie“ genannt, sowie die Ausweitung der ArbeitnehmerInnenfreizügigkeit auf Arbeitskräfte aus Osteuropa zum 1. Mai 2011 machen deutlich, wie Care-Arbeit in der BRD durch die Nutzung von Ungleichheiten zwischen Frauen aus verschiedenen Schichten und Ländern weiter privatisiert und prekarisiert werden soll. Und im Zuge der Krise soll besonders da gespart werden, wo Deutschland kein Exportweltmeister ist, nämlich bei der Pflege- und Sorgearbeit. Das Ziel der Diskussionsveranstaltung ist, die internationalen Beispiele auch für lokale Kämpfe in Marburg handhabbar zu machen.

Referentinnen // Anna Stiede: „Am Beispiel Italien wird deutlich, dass die informelle Beschäftigung migrantischer Arbeitskräfte in den Privathaushalten ein wichtiger Pfeiler der Ökonomie ist.“ // Silke Chorus: „Kämpfe um Care-Arbeit kratzen direkt oder indirekt an kapitalistischen und patriarchalen Strukturen. Dies explizit zu machen, ist eine mögliche Ressource im Kampf um deren Aufwertung.“ // Saida Ressel: „Die fehlende Anerkennung von Care-Arbeit wird in Spanien durch ihren Ausschluss vom allgemeinen Arbeitsrecht deutlich. Gewerkschaften konnten daran bisher wenig ändern, berichten migrantische Care-Arbeiterinnen der Selbstorganisierung Sedoac.“

Veranstaltet von der Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. Marburg
Für mehr Informationen: http://gruppedissident.blogsport.de/

Karlsruhe

Wir engagieren uns aktiv im Karlsruher Frauenbündnis zum Internationalen Frauentag, welches gemeinsam verschiedene Veranstaltungen geplant hat. Unser diesjähriges Motto lautet „Frauen verdienen das nicht!“ und setzt sich mit den Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen von weiblichen Mitarbeiterinnen in Gesundheits- und Pflegeberufen auseinander, wo in der aktuellen Krise noch mal mehr gespart wird.
Samstag, 03. März, 14h, Kronenplatz Karlsruhe, Aktion: Frauen sichten Ausbeuterbetriebe, Wanderkundgebung durch die Kaiserstraße.
Donnerstag, 08. März, 19:30h, Jubez, Kronenplatz Karlsruhe, Veranstaltung: FRAUEN IN ACTION – Bewegte Bilder Redebeiträge von Frauen in Pflege- und Gesundheitsberufen in Karlsruhe Frauenchor BELA RADO Antje Schumacher Ess-Bar zum Schluss.

Mittwoch, 11. März, 19.30h im „Roten Stern“, Steinstraße 23, Karlsruhe, vertiefende Diskussion über das Thema „Sorge-Arbeit“ oder „Care-Ökonomie“. Wir wollen an diesem Abend außerdem überlegen, welche Aktivitäten über den Internationalen Frauentag hinaus in Karlsruhe denkbar und sinnvoll sind.

Internationaler Frauenkampftag 2012 – die interventionistische Linke ist dabei

Wir wollen anknüpfen an diese feministischen Bewegungen in ihrem Kampf um die Gleichstellung von Frau* und Mann* und gleichzeitig fernab von diesen konstruierten Kategorien Räume für pluralistische Identitäten öffnen. Denn Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität bleiben trotz Aufweichungen im öffentlichen Diskurs entscheidende Strukturelemente in unserer Gesellschaft.

Ein 8. März sollte auch die Lebens- und Liebensformen in den Blick nehmen, die nicht in diese heteronormative Matrix passen. In diesem Sinne solidarisieren wir uns mit all jenen in der Welt, die am 8. März demonstrieren, feiern, streiken, sabotieren und die Verhältnisse zum tanzen bringen.

8. März jeden Tag! Für den Feminismus! Die Emanzipation aller Menschen erkämpfen!

Was bedeutet das Sternchen*: Zum einen soll es verdeutlichen, dass hinter Begriffen wie Frau* und Mann* äußerst differente Menschen und eine Vielzahl an (geschlechtlichen) Existenzweisen stehen. Zum anderen werden Frauen* und Männer* hierbei nicht als biologische Tatsachen, sondern als konstruierte – aber gleichzeitig – wirkmächtige Kategorien verstanden. Dementsprechend wurde die Bezeichnung Frau* verwendet und ein Sternchen hinzugefügt, um die Vielfalt des Begriffes und die jeweiligen unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen zu ergänzen.