Veranstaltung zum 8.März: Die Care-Seite der Krise

Diskussionsveranstaltung zum internationalen Frauentag

5. März 18.15h Trauma im G-WerkWenn aus der beruflichen Karriere nichts wird, kannst du immer noch zu Hause bleiben und dich um Kinder, Haushalt und Oma kümmern.“ Solche Äußerungen hört Frau trotz über 100 Jahren frauenbewegter Kämpfe und Bewegungen immer noch in ihrem Alltag. Seit neustem werden sie ergänzt durch Aussagen wie, „naja, wenn Oma nicht mehr kann, dann bekommt sie halt eine 24h-Polin zur Unterstützung.“ Dies offenbart, dass Pflege- und Sorgearbeiten (auch Care-Arbeiten genannt) nach wie vor nicht als gesellschaftlich notwendige und komplexe Arbeiten anerkannt werden. Und es offenbaren sich auch globale Ungleichgewichte bei der Erledigung dieser Arbeiten sowie unterschiedliche Möglichkeiten, diese Arbeiten abzudelegieren, je nachdem wie viel das eigene Portemonnaie so hergibt. Eines der Symptome der krisenhaften Entwicklungen sind die sogenannten „Care-Chains“ (Pflegeketten).

Die aktuelle Diskussion ums Schrödersche Betreuungsgeld, auch „Herdprämie“ genannt, sowie die Ausweitung der ArbeitnehmerInnenfreizügigkeit auf Arbeitskräfte aus Osteuropa zum 1. Mai 2011 machen deutlich, wie Care-Arbeit in der BRD durch die Nutzung von Ungleichheiten zwischen Frauen aus verschiedenen Schichten und Ländern weiter privatisiert und prekarisiert werden soll. Und im Zuge der Krise soll besonders da gespart werden, wo Deutschland kein Exportweltmeister ist, nämlich bei der Pflege- und Sorgearbeit.

In der Diskussionsveranstaltung möchten wir uns genauer anschauen, wie die Arbeits- und Lebensbedingungen der Care-ArbeiterInnen sich aus einer internationalen, feministischen Perspektive aktuell darstellen und welche Organisierungsversuche es gibt, hier Verbesserungen herbeizuführen.

Das Ziel der Diskussionsveranstaltung ist, die internationalen Beispiele auch für lokale Kämpfe in Marburg handhabbar zu machen. Denn auch die Uni Marburg beteiligt sich am aktuellen Krisentrend des Sparens, wenn sie bei den ohnehin schon zu Niedriglöhnen outgesourcten Reinigungskräften noch mal auf billigere Anbieter zurückgreift. So will die Uni auf Kosten der Arbeits- und Lebensbedingungen der Reinigungskräfte sowie der Qualitätsstandards bei der Reinigung, noch ein paar Euro mehr sparen.

8. März jeden Tag! Für mehr feministische Bewegungen jetzt, hier und überall!
Referentinnen // Anna Stiede: „Am Beispiel Italien wird deutlich, dass die informelle Beschäftigung migrantischer Arbeitskräfte in den Privathaushalten ein wichtiger Pfeiler der Ökonomie ist.“ // Silke Chorus: „Kämpfe um Care-Arbeit kratzen direkt oder indirekt an kapitalistischen und patriarchalen Strukturen. Dies explizit zu machen, ist eine mögliche Ressource im Kampf um deren Aufwertung.“ // Saida Ressel: „Die fehlende Anerkennung von Care-Arbeit wird in Spanien durch ihren Ausschluss vom allgemeinen Arbeitsrecht deutlich. Gewerkschaften konnten daran bisher wenig ändern, berichten migrantische Care-Arbeiterinnen der Selbstorganisierung Sedoac.“

Eine Veranstlatung von:
Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t.
AgF Arbeitsgemeinschaft für gewerkschaftliche Fragen
ver.di Jugend Mittelhessen
DGB Jugend Mittelhessen
DGB Region Mittehessen
StipendiatInnen Gruppe der Hans-Böckler Stiftung
Zentrum für Gender Studies & feministsche Zukuntsforschung
Trauma im G-Werk
AStA Marburg