Willkommen in Marburg, let’s get ready to rumble!

Keine Wohnung? Voller Hörsaal? Keinen Seminarplatz? Zu wenig Lehrbücher? Keine Kohle?

Willkommen in Marburg, let‘s get ready to rumble!

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

„Wir freuen uns über den Zuwachs! Sollten die Studierenden Grund zur Klage oder Verbesserungsvorschläge haben, können sie sich jederzeit an die Studiendekane ihres Fachbereichs wenden“, sagt Uni-Präsidentin Krause. Dieses humorvolle Zitat ließ sich kürzlich der Uni-Homepage entnehmen. Anlass ist der aktuelle Studierendenzuwachs an den Unis aufgrund doppelter Abiturjahrgänge und der Abschaffung der Wehrpfl icht. So werden auch an der Uni Marburg im Wintersemester 1090 Studierende mehr studieren als noch letztes Jahr um die gleiche Zeit. Die Studierendenzahl beträgt dann 22.500, bei einer 80.000 EinwohnerInnenstadt wie Marburg stimmt der Ausspruch „Marburg hat keine Uni, sondern ist eine Uni“ mehr denn je. Doch was wird eigentlich getan, um den erhöhten Bedarf an Studienplatzen, Wohnraum und städtischer Infrastruktur zu decken? Bisher nahezu nix. Wohnraum ist in Marburg ohnehin Mangelware, seit Jahren gibt es Notbettenlager zu Beginn des Wintersemesters, einige Studis zelten auch – Not macht halt erfinderisch. Erfindungsreich ist auch ein Vorschlag des Studentenwerkes: mit der Kampagne „Wohnen gegen Hilfe“ sollen nun Studis ausgediente Kinderzimmer bewohnen und dafür als Ersatzhausangestellte, Babysitter oder ähnliches herhalten. Neue Wohnheime und bezahlbarer Wohnraum für Studis im Stadtzentrum wurden schon seit Jahren nicht mehr geschaffen. Und wenn studentischer Wohnraum entstand, dann wie im Falle der überteuerten Appartments zwischen Philosophischer Fakultät und Mensa. Und MitbewohnerInnen sind nicht inklusive – gefördert wird hier das individualisierte Wohnen und nicht etwa kollektives und selbstorganisiertes Zusammenleben.
Hier zeigt sich wieder einmal der Irrsin kapitalistisch organisierten Wohnens. Es geht eben um Profit und nicht um unsere Bedürfnisse.

It‘s capitalism stupid: Sparen! Sparen! Sparen!

Das Raumproblem geht an der Uni weiter. Neue Räume – Fehlanzeige, stattdessen halt Videoübertragungen, auf dem Boden sitzen, im Gang stehen oder gleich Seminarwartelisten. Gut studieren und leben sieht wohl anders aus! Und immer wieder die gleicher Leier: Kein Geld da – Sparen! Der aktuelle Vertrag, der die Finanzierung der hessischen Unis und FHs regelt, der sogenannte Hochschulpakt, wurde erst dieses Jahr bis 2015 festgezurrt. Mehr Kohle gibt es trotz des rasant wachsenden Bedarfs nicht. Den medienwirksamen Auftritten auf Demos und Aufrufen zum Protest zum Trotz unterzeichneten letztlich alle UnipräsidentInnen den umstrittenen Vertrag. Und das, obwohl allen klar war, dass spätestens jetzt mit den höheren Studierendenzahlen die Unterfinanzierung der hessischen Unis nicht mehr tragbar ist. Dies prangerte zu Recht auch die Opposition im hessischen Landtag an und forderte ein Notprogramm von 25 Millionen pro Semester. Die schwarz-gelbe Landesregierung, welche seit Jahren die mangelnde Finanzierung der Hochschulen vorangetrieben hat, lehnte, wie zu erwarten, die mehr als berechtigte Forderung ab. Und eine große Zahl der Betroffenen von der Sparpolitik in der Bildung ist gar nicht an den Unis zu finden. Sie haben nämlich erst gar keinen Studienplatz bekommen und ihre Anzahl ist in den letzten Jahren stetig angewachsen und hat in diesem Wintersemester einen neuen Rekord erreicht. So gibt es Fächer wo auf einen Studienplatz mehrere hundert BewerberInnen kommen. Und die, die einen Platz ergattern konnten sollen dann möglichst schnell und effektiv für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Orte für kritisches Denken und die Auseinandersetzungen über den eigenen
Studienfach-Tellerrand werden immer mehr aus der Wissensfabrik Uni verdrängt.

Wie unsere Uni ihre Finanzlöcher stopfen will ist eine spannende Frage. Die erste Antwort hat sie damit gegeben, dass sie die ohnehin schon unterbezahlten und überlasteten Reinigungskräfte nun nicht weiterbeschäftigt. Stattdessen wurde ein neuer Vertrag mit einer noch sklaventreiberischeren Leiharbeitsfirma abgeschlossen, wo die Reinigungskräfte noch weniger verdienen und noch weniger Zeit für die Reinigung der Räume haben.


Money, money, money – it´s a rich mans world…

Wo soll dieses, nicht nur an den Unis zu beobachtende, Spardiktat hinführen? Zunächst gibt uns das ewige Eindruck, es sei Überhaupt kein Geld da. Ein kurzer Blick auf die aktuelle Vermögensverteilung der Bundesrepublik zeichnet ein anderes Bild: Das Nettoprivatvermögen beträgt rund 7,3 Billionen Euro, davon besitzt allein das reichste Zehntel zwei Drittel. Das ärmste Zehntel hat Schulden von 13,5 Milliarden Euro. Es liegt der Schluss nahe, dass sich die Logik des Sparwahns ganz gut mit der seit langem laufenden Umverteilung von unten nach oben verträgt. Gekürzt wird bei den sozial Schwachen: Nicht nur die
Reinigungskräfte an den Unis müssen im Namen des allgegenwärtigen Sparwahns geringere Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen. Jede fünfte Person in der Bundesrepublik arbeitet mittlerweile im von prekären Arbeitsverhältnissen gekennzeichneten Niedriglohnsektor. In den letzten zehn Jahren wuchs diese Gruppe der Beschäftigten um zwei Millionen Menschen an. Besonders betroffen von der Entwicklung sind neben Frauen und sogenannten Geringqualifizierten auch Studierende, die sich ihr Studium teilweise oder ganz selbst finanzieren.

The spirit of revolution

Doch dass nichts so bleiben muss wie es ist und sich einiges verbessern kann, wenn wir dafür kämpfen, haben Bildungsstreiks und Studierendenboykotts in der Vergangenheit gezeigt. Egal ob Demos mit mehreren tausenden, Autobahnblockaden, Seminar-Streiks oder Uni-Besetzungen, sie alle haben dazu beigetragen, dass es an der Uni überhaupt noch halbwegs studierbar ist. So wurde z. B. in Hessen die Rücknahme der Studiengebühren erkämpft. Und auch an der Uni hier in Marburg hat unter anderem die Hilfskraftinitiative für eine Erhöhung der Löhne und für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen geführt.

International zeigen unsere europäischen Nachbarländer, dass es sich lohnt für eine gute Ausbildung, bezahlbaren Wohnraum, demokratische Mitbestimmung, kurz gesagt – ein gutes Leben, auf die Straße zu gehen. Tun wir es ihnen gleich! In Spanien drückte der Ausspruch „Nobody expects the #spanishrevolution“ das aus, was wir auch hier schaffen können. Werden wir laut, finden uns spontan zusammen, tun völlig Unerwartetes und versuchen so, der anderen, besseren Gesellschaft näher zu kommen. Dass sich solcher Einsatz lohnt, zeigen nicht zuletzt die arabischen Revolutionen. Niemand hätte noch vor einem Jahr an eine solch rasante Entwicklung geglaubt, die den Sturz von Diktatoren einschließt (und sich damit grundlegend vom europäischen Kontext unterscheidet). Doch die Menschen beispielsweise in Ägypten oder Tunesien haben die Dinge selbst in die Hände genommen und den Kampf für ihre Bedürfnisse aufgenommen und auf die Straßen getragen. Und damit den ersten notwendigen Schritt gemacht, damit sich überhaupt was ändert. Das „Ende der Geschichte“ ist noch lange nicht erreicht.

Uni besser machen – sofort und für alle!
Her mit dem schönen Leben!

Let´s push things forward,
Eure Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t.

Seit 2000 arbeitet die Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t im Marburger Hochschulmilieu an der Ausbreitung kritischer Theorie und Praxis. Inzwischen engagieren sich Studierende, Promovierende, Erwerbslose und Beschäftigte im Rahmen unserer Gruppe für linke und emanzipatorische Politik. Über die Stadtgrenzen hinaus sind wir in der Interventionistischen Linken organisiert. Wenn du uns persönlich kennenlernen willst, kannst du uns bei unseren Veranstaltungenoder an einem Infotisch treffen. Wenn Du bei uns mitmachen willst, melde Dich einfach bei uns.

Kontakt:
4dissident@gmx.de
Bei diesen Veranstaltungen könnt ihr uns treffen:

  • 27.10. Pedram Shahyar: Die Revolution in Ägpyten | 19.00h | Hörsaal CMNS
  • 31.10. Karl Heinz Roth: Das Multiversum: Globale Proletarisierung – Gegenperspektiven | 20.00h | Hörsaal CMNS

  • Nützliche Links:

  • hilfskraftinitiative.blogsport.de
  • studentsatwork.org
  • asta-marburg.de/Sozialberatung
  • fuchsjagd.blogsport.de
  • Linke Termine:

  • stressmob.de