8.Mai Stadtrundgang zu Verfolgung und antifaschistischem Widerstand in Marburg

  • 14.00 Uhr: Stadtrundgang, Treffpunkt vor dem Bettenhaus, Emil-Mannkopf-Straße 6
  • Ab 16.00 Uhr: Feier im Garten des Bettenhauses (Bei schlechtem Wetter im Foyer)
  • Stadtrundgang zu Verfolgung und antifaschistischem Widerstand in Marburg

    Am 28. März 1945 wurde Marburg kampflos von den amerikanischen Streitkräften erobert, am 8. Mai 1945 kapitulierte das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg endete in Europa. Damit endeten zwölf Jahre des nationalsozialistischen Terrors, der unzählige Opfer gefordert hatte.
    Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung beteiligte sich während dieser Zeit aktiv an den Verbrechen des Faschismus oder duldete diese zumindest. Das war in Marburg, das in den dreißiger Jahren von kleinbürgerlichem Beamtentum und stundentischen Korporationen geprägt war, nicht anders als im Rest des Reichs. Im Gegenteil, die Unterstützung für das Regime war hier sogar noch größer als andernorts: So erhielt die NSDAP bei den Reichtstagswahlen im März 1933 in Marburg 57,6% der Stimmen und damit fast 15% mehr als im landesweiten Durchschnitt. Auch die Mehrheit der Studierendenschaft stand fest hinter dem Faschismus. So beteiligten sich viele Studierende an der Bespitzelung und Denunziation von linken und jüdischen Lehrenden. Im Jahr 1935 wurde an der Universität „undeutsche“ Literatur an einem „Schandpfahl“ gesammelt und schließlich unter großem Jubel verbrannt. Selbst die Zerstörung der Synagoge im Jahr 1938 und die in aller Öffentlichkeit durchgeführten Deportationen von politischen Gefangenen und jüdischen Menschen erschütterten bei den meisten nicht das Vertrauen in die NS-Regierung.
    Doch auch in dieser beklemmenden Atmosphäre gab es stets Menschen, die sich mutig gegen die faschistische Diktatur stellten und unter Einsatz ihres Lebens für politische Freiheiten und soziale Verbesserungen kämpften. Menschen wie die Schneiderin Cilly Schäfer, die als überzeugte Kommunistin und Feministin über die gesamte Zeit des Faschismus versuchte, ihre Zeitgenossen aufzuklären und zum Widerstand zu animieren. Menschen wie der Theologieprofessor Hans von Soden, der sich aus religiösen Überzeugungen gegen die Anwendung des „Arierparagraphen“ in der Evangelischen Kirche wandte und aktiv am Aufbau der „Bekennenden Kirche“ in Hessen beteiligte. Menschen wie die Deserteure, die ihre Beteiligung am Vernichtungskrieg der Wehrmacht verweigerten und von denen viele wegen Fahnenflucht ermordet wurden. Menschen wie der Sozialist und „Partisanenprofessor“ Wolfgang Abendroth, der während der NS-Zeit lange Jahre im Zuchthaus und Konzentrationslager saß, bevor er als Angehöriger einer Strafeinheit zu den griechischen Partisanen überlaufen konnte und der ab 1951 in Marburg lehrte und gegen die faschistischen Kontinuitäten an der Philipps-Universität und in der Gesellschaft kämpfte.
    Sie alle strafen das Gerede von der Ohnmacht des Einzelnen Lügen, weil sie zeigen, dass die Bewahrung von Menschlichkeit und der Kampf für die eigenen Interessen auch unter widrigsten Bedingungen möglich ist. Ihr Andenken lebendig zu halten und ihr Handeln als Vorbild zu begreifen, das sind wir ihrem Einsatz schuldig.
    Am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus, möchten wir daher mit einem Stadtrundgang an die Verbrechen des NS-Regimes und den Widerstand dagegen in Marburg erinnern. Anschließend möchten wir diesen Tag gemeinsam in einem entspannten Rahmen feiern.

    14.00 Uhr: Stadtrundgang, Treffpunkt vor dem Bettenhaus, Emil-Mannkopf-Straße 6
    Ab 16.00 Uhr: Feier im Garten des Bettenhauses (Bei schlechtem Wetter im Foyer)