Von Kühl- und Schweinesystemen

Die Katastrophe in Japan verdeutlicht einmal mehr:
Atomkraftwerke sind scheiße. Wer sie loswerden will, muss die Konzerne entmachten.

Wir haben es doch alle gewusst
Dass Atomkraftwerke nicht nur strahlenden Abfall produzieren, der die Menschheit noch über Jahrtausende beschäftigen wird, sondern auch in die Luft fliegen können: Das weiß seit Tschernobyl wohl wirklich jedes Kind. Die deutsche Atomlobby ist allerdings relativ erfolgreich mit der Behauptung, ihre Kraftwerke seien selbstverständlich die sichersten der Welt. Nun handelt es sich bei Japan um das Land mit dem drittgrößten Bruttoinlandsprodukt der Erde – ein hochentwickeltes Industrieland, stinkreich und weltpolitisch ein Spitzenplayer (G7, G8, G20…). Gerade die japanische Hochtechnologie wird global gehandelt. Japan und Deutschland teilen also nicht nur die faschistische Vergangenheit, sondern auch die führende Rolle in der imperialen Weltordnung der Gegenwart. Dass deutsche Kraftwerksbaumeister irgendwie talentierter sein sollen als japanische ist offensichtlich Unfug.

Regierung und Vernunft: Zwei paar Schuhe
Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat im vergangenen Jahr entschieden, den Stromkonzernen den verlängerten Weiterbetrieb ihrer AKWs zu gestatten. Die sind nunmal bereits gebaut und können zur fleißigen Geldvermehrung genutzt werden. Da lässt sich eine „wirtschaftsnahe“ Regierung nicht lumpen und handelt wider alle Vernunft, wenn‘s denen auf der Sonnenseite der Klassengesellschaft noch mehr Reichtum beschert. Auch wenn sie gerade viel dafür tun, das vergessen zu machen: Der rotgrüne „Atomausstieg“ der Schröder/Fischer-Regierung war unterm Strich nicht viel besser. Er war ein fauler Kompromiss, der vor allem den Interessen der Energiekonzerne diente und die Antiatombewegung schwächen sollte. Die Grünen-Spitze rief sogar dazu auf, sich nicht an den Protesten gegen die Castortransporte zu beteiligen.

Ein schöner Traum: Kompromisslosigkeit
Was wäre zu tun? Eine schöne Vorstellung ist die Enteignung der AKW-Betreiber – nicht, um die Werke zu verstaatlichen, sondern um ihren Reichtum, mit dem sie so viel Schaden anrichten, für den Aufbau einer konsequent dezentralen, ökologischen, bedürfnis- statt gewinnorientierten Stromversorgung zu nutzen: Jedem Mietshaus sein Blockheizkraftwerk, jedem Bauernhof sein Windrad… Möglichkeiten gibt es viele, und sie werden längst genutzt. Endgültig durchsetzen und flächendeckend verbreiten lassen sie sich aber wohl nur gegen das Profitinteresse des Kapitals. Dafür brauchen wir ihr Geld und ihre Ressourcen – die ganze Bäckerei statt bloß ein Stück vom Kuchen. Eine solche Dezentralisierung hätte nicht nur den unschlagbaren Öko-Bonus und würde nicht nur die Abschaffung der mörderischen Nukleartechnologie bedeuten – sie wäre auch eine Entmachtung der Konzerne und also ein bescheidener Fortschritt der Demokratisierung der Welt.

Wir sind nicht machtlos
Von so einem Schritt sind wir freilich weit entfernt. Auch wenn es aber auf den ersten Blick so aussehen mag, als ließe sich gegen die Atomlobby und ihre politischen Freunde nicht viel ausrichten, ist der Widerstand gegen den Unsinn bislang alles andere als macht- und erfolglos gewesen. Ja, es gibt Atomkraftwerke hierzulande, und nein, die Spinnerei, den Salzstock in Gorleben als „sicheres Endlager“ zu deklarieren, ist auch noch nicht beendet. Gemessen an dem, was die größenwahnsinnigen Technokratenmänner sich mal an Nuklearanlagen erdacht haben, gibt es aber immerhin relativ wenig von dem Scheiß. Das ist dem massenhaften Widerstand auf Bauplätzen und bei Castortransporten zu verdanken. Und der kann noch was. Versprochen.


1 Antwort auf “Von Kühl- und Schweinesystemen”


  1. 1 Hinweise zur nuklearen Katastrophe in Japan | Ingo Stützle Pingback am 16. März 2011 um 9:59 Uhr
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