Demonstration in Goßfelden am 17.04.2010

Antifa Aufruf.
Aufruf des Bündnis gegen Rechts Marburg. ACHTUNG Uhrzeit falsch, die Demo beginnt um 12 Uhr!

Für weitere Hintergrundinfos der Indymediaartikel: Link

Unser Aufruf

Demonstration 17/04/2010 12h Goßfelden/Festplatz

Nazis entschlossen bekämpfen!
Für eine befreite Gesellschaft!

Die Gemeinde Lahntal geriet seit dem Sommer 2009 immer wieder in die Schlagzeilen, da sich gewalttätige Übergriffe von Neonazis auf Andersdenkende häuften. Doch nicht erst seit dem Sommer 2009 ist dies ein Problem. Schon seit einiger Zeit konnte sich dort eine neonazistische Szene etablieren, die mittlerweile Kontakte zu erfahreneren Naziaktivisten pflegt.

In der Gemeinde Lahntal riefen die Gewalttaten Empörung hervor, wenn auch zuerst leise, zögerlich und sicherlich nicht vom ganzen Ort getragen. Als Reaktion gründeten einige Menschen das „Bürgerforum gewaltfreies Lahntal“. Jedoch scheute man sich lange das Offensichtliche beim Namen zu nennen. Das Naziproblem wurde als allgemeines Gewaltproblem verzerrt. Lange zögerte man eindeutig Stellung zu beziehen. Die Nazis wurden dadurch in ihrem Handeln nicht eingeschränkt, man wollte lieber mit ihnen diskutieren.

The same procedure?
Gewalt nicht in ihrem Kontext zu sehen folgt einem allgemeinen Trend, links, rechts, Islamismus, Jugendgewalt etc. gleichzusetzen. Dabei verschwimmen aber Ursachen und Wirkungen. Neonazis als gelangweilte, frustrierte Jugendliche zu verharmlosen wird dem Problem nicht gerecht. Die ausgeübten Gewalttaten haben das Ziel, politische GegnerInnen und Menschenn die von der nationalistischen Norm abweichen einzuschüchtern, mundtot zu machen und ein nationalsozialistisches Klima der Angst aufzubauen, das kein Anderssein mehr zulässt. Dabei scheuen Nazis auch nicht vor Mord zurück. Mehr als 140 Menschen wurden seit 1990 von Neonazis ermordet.

In guter Gesellschaft?
Die Ideologie der Nazis und die daraus folgende Gewalt taucht nicht aus dem Nichts auf. Die These vom Extremismus, gegen den die imaginierte, demokratische Mitte verteidigt werden muss, verschleiert, dass wir in einem zutiefst gewalttätigen Gesellschaftssystem leben: Dem Kapitalismus. Herrschaftsverhältnisse wie Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Nationalismus sind fundamentale Bestandteile dieses Systems. Gewalt gegen MigrantInnen ist dabei höchste Staatsaufgabe. Sie werden in Lager gesteckt, man lässt sie im Mittelmeer ersaufen oder schiebt sie ab in den sicheren Tod. Die Bundeswehr mordet im Auftrag von Demokratie und Freiheit in Afghanistan. Die Polizei erniedrigt, verprügelt und ermordet Menschen auch in Deutschland. Menschen werden durch die Drohung ihres sozialen Untergangs zu den erniedrigsten Arbeiten gezwungen.

Der Rassismus und Nationalismus der Nazis ist nur die Spitze des Eisbergs. In allen gesellschaftlichen Schichten sind diese Ideologien in unterschiedlicher Ausprägung vor handen. Im Lahntal, in der Großstadt, auf dem Dorf, im Osten wie im Westen. Rassismus erfahren MigrantInnen in erster Linie nicht durch Nazis, sondern von den Nachbarn, von der Chefin, auf der Ausländerbehörde.

Des Kaisers neue Kleider
Nationalismus erweist sich als äußerst wandelbar und hat heute recht wenig mit dem Nationalismus des Kaiserreichs gemein. Die neue Form des hoch gepriesenen schwarz-rot-geilen „Partypatriotismus“, „endlich sind wir wieder wer“-Nationalismus ist aber kaum so harmlos wie es bei den großen Inszenierungen deutscher, nationalistischer Normalität erscheint. Dieser „entspannte“ Patriotismus ist der Nährboden für nationalistische Gewalttaten. Wer etwa meint, die gewalttätigen Übergriffe auf türkische und italienische Geschäfte bei der Fußball WM hätten damit nichts zu tun, macht sich selbst etwas vor.

And action…
Zu allererst muss es Aufgabe sein die Neonazis aktiv in ihre Schranken zu verweisen. Es muss ihnen unmöglich gemacht werden andersdenkende Menschen anzugreifen und sich hinter der Dorfgemeinschaft zu verstecken. Es gilt sie aus der Deckung zu holen und das Offensichtliche zu benennen. Es darf keinen Rückzugsort für Nazis im Fußballclub, in der Feuerwehr, in der Dorfburschenschaft, im Jugendclub oder sonstwo geben. Ebenso muss dafür gesorgt werden, dass Alternativen für die nichtrechten Jugendlichen geschaffen werden. Ein selbstorganisierter, nazifreier Jugendclub oder Schulprojekte gegen Rassismus wären ein Anfang.

Wer aktiv auf allen Ebenen mit allen Mitteln gegen Nazis vorgehen will, darf nicht bei der Kritik an einzelenen Nazicliquen stehen bleiben und darf schon gar nicht deren Bekämpfung an den Staat delegieren. Es muss die gesamte Gesellschaft mit ihrem erniedrigenden Zwang zur Lohnarbeit, ihren Rassismus, Sexismus und Antisemitismus in den Fokus genommen werden. Unsere Perspektive muss die befreite Gesellschaft sein, in der es allen möglich ist verschieden und eben keine erniedrigten, geknechteten Wesen mehr zu sein.

Demonstration 17/04/2010 12h Goßfelden/Festplatz


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