Aus den Archiven der Autonomen

Wir wollen hier auf 3 Texte hinweisen, die zwar schon „uralt“ sind, aber dennoch auch für heutige Debatten aktuell und gewinnbringend sind. Das heißt nicht, dass wir alles darin teilen. Linksradikale Politik hat sich ja glücklicherweise zumindest ein Stück weiterentwickelt. Ein Überblick auch hier: http://www.die-autonomen.de/Organisiserungsdebatte.htm
Unter anderem aus diesen Debatten hat sich seit den 1990er Jahren das entwickelt, was heute als postautonom gilt.

1988: Ich sag’, wie’s ist! Eine Kritik autonomer Politik aus Hamburg
Zitat:

Wir meinen nicht, daß es falsch ist konkrete Bedürfnisse zu haben und zu versuchen sie schon vor der Revolution umzusetzen. Dies bedeutet, für Veränderungen im positiven Sinn zu kämpfen, für billigen Wohnraum etwa oder gegen den §218. Wir meinen aber, das Überheblichkeit und Verachtung gegenüber Menschen, die anders leben als die Szene für Revolutionäre nicht ansteht. Und wir meinen, daß der Kampf um Freiräume nicht automatisch revolutionärer Kampf ist, und zwar unabhängig davon wie militant er geführt wird, und auch unabhängig davon, wie die Parolen lauten. Viele werden sagen, daß wir jetzt offene Türen einrennen. Aber halsstarrig wie wir nun einmal sind, glauben wir, daß dem nicht so ist. Die Penetranz, mit der die Formel vom >selbstbestimmten Leben< in allen möglichen Mobilisierungen auftaucht, zeigt, daß der Zusammenhang nicht begriffen wurde. Ein selbstbestimmtes Leben kann es im Kapitalismus nämlich nicht geben, weil der Charakter der Warengesellschaft das ausschließt. Demnach wäre es doch wesentlich praktischer, [6] „für den Kommunismus“ zu sagen, wenn es um ein selbstbestimmtes Leben geht. Erst in einer entwickelten sozialistischen Gesellschaft, in der die Menschen von der Sorge um das Lebensnotwendige und von entfremdeter Arbeit befreit sind, kann es ein selbstbestimmtes Leben geben. Die meisten Szeniks kämpfen lieber für Freiräume und verwechseln das mit dem Kampf für Selbstbestimmung, das heißt für die Revolution.

1991: Die Heinz-Schenk-Debatte (der verlinkte Test ist „Feuer und Flamme 2″, die Debatte geht ab S. 161 los…). Eine Debatte in der Interim die mit der heutigen Gruppe f.e.l.s. in Verbindung gebracht wird
Zitat:

Wie weiter???
Nun ist es nicht so, daß wir hier nur pure destruktive Kritik leisten wollen und keine eigenen Ideen hätten. Wir können zwar – und das ist auch gut so – kein perfektes Modell für die revolutionäre Linke der BRD der 90er Jahre entwickeln, aber wir hätten zumindest einige konkrete Vorschläge für die nächsten Schritte:
– Bestandsaufnahme linker Politik in der BRD und die Bereitschaft, die eigenen Ansätze (nicht revolutionäre Politik an sich) radikal zu hinterfragen
– ebenso Überprüfung linker Theorie der letzten 150 Jahre auf ihre Brauchbarkeit insbesondere nach dem Scheitern des »realen« Sozialismus und des Stagnierens der neuen Entwürfe linker Politik seit Anfang der 60er Jahre.
– Bereitschaft, eine Organisationsdebatte zu führen und ebenso die Bereitschaft, Politik wissenschaftlich und nicht emotional zu begründen
– dabei gleichzeitiges Drinbleiben und Ausbauen der Arbeit in den Teilbereichen, in denen tatsächlich längerfristige Kontakte zur Außenwelt bestehen und die nicht lediglich wieder in einem halben Jahr vergessene Modethemen sind.

Fraglich ist aber, ob wir uns mit unseren Ideen nicht was husten können. Ob also nicht genau der Subjektivismus, der politische Aktion unabhängig von gesellschaftlichen Bedingungen produziert, ein Erkennen der Notwendigkeit der Änderung linker Politik verhindert; ob unsere Diskussion nicht damit als überflüssig abgetan und uns der Verrat-Vorwurf gemacht wird. Dies wird die Diskussion, so sie zustande kommt, zeigen.

1994: Antifaschismus auf antiimperialistischer Grundlage. Gespräch mit der Göttinger Antifa (M)
Zitat:

Wie man ja überall lesen kann, ist das ein sehr umstrittener Prozeß. Unser Engagement fußt auf unserer Analyse autonomer Politik in den 80er Jahren, die wir ja schon beschrieben haben. Wir hatten den Anspruch, daß wir, wenn wir diesen Kampf gegen Faschismus ernst nehmen, überhaupt erst wieder als politische Kraft in Erscheinung treten müssen. Die sattsam bekannten autonomen Plenen der Vergangenheit waren am Ende ein unerträglicher Zustand. Um wieder zu verbindlichen Strukturen zu kommen, um ansprechbar zu sein, schien uns ein bundesweiter Zusammenschluß verschiedener Gruppen, der über die lockere Vernetzung, den Infoaustausch, hinausgeht, unumgänglich.


1 Antwort auf “Aus den Archiven der Autonomen”


  1. 1 Marburg - Blog - 22 Mar 2010 Pingback am 23. März 2010 um 10:34 Uhr
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