Kein Auftritt für die Boxhamsters im KFZ!

Kein Friede dem Patriarchat!
Kein Auftritt für die Boxhamsters im KFZ!

Am 19. Dezember soll die Punkrockband Boxhamsters im Marburger Kulturladen KFZ auftreten. Die Boxhamsters sind im Jahr 2005 in die szeneinternen Schlagzeilen geraten, als bekannt wurde, dass der Sänger Martin Coburger nach einem Konzert in Aurich eine Frau vergewaltigt hat. Angeklagt wurde er dafür trotz einer von der Betroffenen gestellten Strafanzeige nie. Die Staatsanwaltschaft hat keinen Zweifel daran, dass der Geschlechtsverkehr nicht von der Betroffenen gewollt war, jedoch war die Staatsanwaltschaft sich nicht sicher, ob Martin Coburger den Alkoholkonsum der Betroffenen für sich juristisch zum Vorteil ausnutzen würde, wodurch die Gefahr bestanden hätte, dass er womöglich nicht verurteilt wird. Deshalb lieber gar kein Gerichtsverfahren. Die Band sagte zwar nach den Ereignissen einige ihrer Konzerte ab und schloss vorsichtshalber ihr Gästebuch auf ihrer Homepage, eine öffentliche Stellungnahme ihrerseits oder des Sängers gab es dazu jedoch nie. Schweigen und Aussitzen bis Gras über die Sache gewachsen ist, war immer schon die beste Strategie der Täter mit derartigen Vorwürfen umzugehen.

Der Fall des Boxhamsterssängers ist paradigmatisch für den Umgang mit Vergewaltigungen. Anstatt sich mit der betroffenen Frau zu solidarisieren, wird der Täter in Schutz genommen, da es ja zu keiner gerichtlichen Verurteilung gekommen sei. Das Gerichtsverfahren wird somit zur Instanz erhoben, die entscheidet, was passiert ist. Der Frau selbst wird jede Mündigkeit und Verantwortungsbewusstsein abgesprochen. Da das Gerichtsverfahren nicht stattgefunden hat, soll es keine Vergewaltigung gegeben haben. So argumentiert auch das KFZ für den Auftritt. Der Betroffenen werden erstmal böse Absichten unterstellt, sie wolle sich an dem Sänger rächen und ihn öffentlich schlecht machen. Vergewaltigten Frauen wird oft eine Mitschuld an dem Geschehenen gegeben. Sie hätte es doch auch gewollt, ihr Rock war zu kurz etc. Falschbeschuldigungen sind jedoch extrem selten. Viel öfter hingegen werden Vergewaltigungen aus Angst und Scham gar nicht angezeigt.

Vergewaltigungen sind keine Einzelfälle. Täglich werden Frauen vergewaltigt. Eine Repräsentativuntersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland hat ergeben, dass insgesamt 40 % der in Deutschland lebenden Frauen in ihrem Erwachsenenleben körperliche oder sexualisierte Gewalt oder beides erleben.

Gerade bei einer Band, die sich – wie die Boxhamsters das tun – als linke und emanzipatorische Kapelle gibt, kann ein sexistischer Übergriff nicht als Beiläufigkeit, Nebensache oder Betriebsunfall abgetan werden. Der Auftritt der Boxhamsters sollte abgesagt werden, weil sie genau das versuchen.

Solidarität mit den Betroffenen sexualisierter Gewalt!