Centri Sociali erhalten!

Sgombero della conchetta

Am vergangenen Mittwoch kündigte De Corato (Bürgermeister und Parteimitglied der Alleanza Nazionale in Milano) an, dass er aufgrund der vermehrten Beobachtungen linksradikaler Aktionen Jugendlichen aus diversen „Centri Sociali“ in Mailand (wie zum Beispiel eine Soliaktion zu Alexis) sämtliche Sozialen Zentren in der Stadt räumen lassen will. Gesagt getan: wurde am Donnerstag das erste der verbleibenden Centri Sociale: Cox 18 oder Conchetta geräumt.


Zunächst einmal sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Bewegung der „centri Sociali“ nicht vergleichbar ist mit Häuserbesetzungen. Die Centri Sociali sind besetzte Räume, die überall in Italien existierten und Räume darstellten, in denen es zu einem politischen Austausch kam, der sowohl die Produktion des Lebens eines Individuums, als auch die Reproduktion positiv beeinflusste. Das heisst, Centri sociali stellten Orte dar, in denen Menschen ohne Papiere wohnen konnten, die Sprache lernen konnten, Hilfe bekamen, die sich von öffentlichen Stellen nicht zu erwarten hatten, Orte, in denen sich Kollektive bildeten und zu verschiedenen politischen Themen arbeiteten und direkte Interventionen und Alternativen organisierten. Räume in denen eine andere,eine Gegenkultur gestaltet wurde, in denen die Kritik am kapitalistischen System nicht nur Theorie bleibt, sondern versucht wird in die Praxis um zusetzten, ohne dabei aber den Blick nach „außen“ und die Intervention in gesamtgesellschaftliche Verhältnisse zu verlieren. Die Zentren stellten wichtige Verbindungspunkte zu den politischen Bewegungen, zum Beispiel zu den Protesten gegen den G8 Gipfel in Genua, die Auseinandersetzungen um die Prekarisierung der eigenen Lebensverhältnisse oder die Kämpfe von und mit MigrantInnen um globale Bewegungsfreiheit… sagen wir ein kleines Stückchen anderes Leben möglich machten. Die Centri Sociali hatten in Italien einen enorm hohen Stellenwert, was die Sozialisierung von Jugendlichen anging, da sich über die Jahre quasi im ganzen Land, in den Großstädten, sowie auch in kleinen, ländlicheren Gegenden Centri Sociali fest verankerten, und einen enormen Beitrag zur Gestaltung von Kultur, Gesellschaft und Politik leisteten. Dass dies nicht in die Umstrukturierungen Mailands und Italien derzeit passt, ist klar, aus diesem Grunde hat nun wahrscheinlich heute ein Prozess erst angefangen, der in nächster Zeit weiter fortgesetzt werden wird. Ein Prozess der Umstrukturierungen einer gesamten Stadt, ebenso in Vorbereitung für die Expo im Jahre 2015. Sämtliche Umstrukturierungen, die hier derzeit in Mailnad stattfinden, stellen eine Art Experiment für ganz Italien dar. Die Veränderungen, die hier derzeit von statten gehen, scheinen wie ein Spiegelbild, für die Veränderung eines gesamten Landes. Ganz unterschwellig gibt es neue Verordnungen der Regierung, neue Einschnitte. Diese ganzen Verordnungen passieren einfach, es wird auch nicht viel darüber geredet, sie passieren einfach ganz unterschwellig, werden von der Mehrheit ohne Gegenreaktion hingenommen. Mittlerweile ruft man mit einer italienischen IP Adresse eine politische (linke) Internetseite auf und wird darauf verwiesen, das man Acht geben sollte, mit der folgenden Seite, und gefragt ob man sicher sei, diese Seite sehen zu wollen.

Hier werden Mechanismen tagtäglich angewendet, die ein neues Niveau erreicht haben; es wird nicht nur geprügelt und physisch sanktioniert, in diesem Land, in dem quasi kaum bis keine freue Presse mehr existiert, passieren ein Haufen Reaktionen, die weitere gravierende Einschnitte in die Leben von zum Beispiel ImmigrantInnen, AntifaschistInnen etc. nach sich ziehen. In der letzten Woche waren zum Beispiel mehrere Wannen der Polizei von der staatlichen Universität, ohne das man direkt wusste warum eigentlich, doch dabei sollte es nicht bleiben, ebenso waren einige Digos (Divisione investigazioni generali e operazioni speciali), sowas wie die politische Polizei, möglicherweise mit dem Staatsschutz zu vergleichen, in der Uni unterwegs und Leute wurden direkt angesprochen. Hier greifen tiefgehende ideologisch, repressive Mechanismen, die wirklich Angst machen können.De Corato ist derzeit eben einer der jenigen in Italien, der ganz strickt, die Ideale seiner nationalistisch, wenn nicht post-faschistischen Partei durchzieht, und Milano hierfür als Experimentierfeld dient.

Die Räumung der Conchetta war erst der Anfang und in den nächsten 2 Wochen sollen die anderen noch bestehenden Zentren geräumt werden. Positiv bleibt allerdings zu vermerken, dass sich die Nachricht der Räumung gestern so schnell verbreitete, dass sich recht schnell hunderte von GenossInnen versammelten, Straßen blockierten, mit Spontis durch die Stadt zogen und sich zum Nachmittag hin vor der Kommune Milanos einfanden, welche mit Hamburgergittern und Carabinieris schon großräumig abgeriegelt war. Eine Delegation der Conchetta forderte ein Gespräch mit den Stadtverordneten, welche aber natürlich- welch Überraschung-keine Zeit, und kein Interesse hatten. Mit einer starken, lauten Demo zog man gegen Abend zurück Richtung Conchetta. Am späten Abend fanden sich über 300 Leute für ein Assemblea ein, um zu diskutieren,was dieReaktion sein wird…Riprendiamoci la COX 18, wir nehmen uns die COX 18 war allerdings einstimmige Ansage…dies wird sich in den nächsten Tagen zeigen…

basta! La conchetta 18, la vogliamo

:::Nie wieder Faschismus:::