Update: Veranstaltungsreihe: Der spanische Bürgerkrieg und die Linke

Die Veranstaltungsreihe „Der spanische Bürgerkrieg und die Linke“ beschäftigt sich mit den im spanischen Bürgerkrieg ausgetragenen gesellschaftlichen Konflikten. Hierbei soll sowohl ein Verständnis für die sozialen Ursachen des Konflikts als auch die politisch-ideologische Dimension (nicht nur, aber auch die des antifaschistischen Kampfes) erarbeitet werden. In einem Mix von Vorträgen, Workshops, Filmvorführungen und einer szenischen Lesung sollen unterschiedliche Perspektiven (wobei diejenigen der Linken im Vordergrund stehen) beleuchtet werden. Die inhaltlichen Beiträge werden die sozialen Bedingungen Spaniens in den 30er Jahren, die grundlegenden politischen Konflikte, die Errungenschaften der sozialen Revolution wie auch die geschichtspolitische Verarbeitung (und Verdrängung) im gegenwärtigen Spanien thematisieren.

Achtet bitte auf kurzfristige Änderungen im Programm!

Die Veranstaltungsreihe wird unterstützt von: Capitol, Hans-Böckler-Stiftung, Antifa-/Antirareferat AStA Marburg, Waggonhalle
Hier gibts das Programm:

  • 6.4.-25.4.08
    Café am Grün
    Ausstellung: Plakate aus dem spanischen Bürgerkrieg
    In der Ausstellung, die die Veranstaltungsreihe begleitet, werden einige Plakate aus den verschiedenen Perioden des spanischen Bürgerkriegs zu sehen sein. Ergänzt werden die Plakate von kurzen Texten, die die wichtigsten Information zu dem jeweiligen Plakat enthalten, sowie von einigen Tafeln der Ausstellung „Pueblo en armas“.
  • Donnerstag, 17. April:
    Capitol Kino
    19.00h Eröffnungsvortrag
    N.N. von der Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t.
    20.00h Film Land and Freedom
    Liverpool 1994; eine junge Frau findet ihren Großvater David bewusstlos auf dem Sofa liegend, doch auf dem Weg ins Krankenhaus verstirbt er. Nach seinem Tod findet sie auf dem Schrank einen alten Koffer mit Briefen, Zeitungsausschnitten, Fotografien und ein mit Erde gefülltes rotes Halstuch. Sie beginnt das ihr unbekannte Leben ihres Großvaters zu rekonstruieren:
    Im Jahre 1936 entschließt sich der junge Erwerbslose David, ein englischer Kommunist, dazu, nach Spanien in den Kampf gegen das Franco-Regime zu ziehen. Er schließt sich einer Gruppe der revolutionären Miliz, der POUM, an und erlebt an der Aragon-Front die Wirren des Krieges – den ungleichen Kampf gegen die Franco-Truppen und die internen Auseinandersetzungen auf republikanischer Seite.

    Deutschland / Großbritannien / Italien / Spanien, 1995, 108 Min
    Regie: Ken Loach

  • Freitag, 18. April:
    Ort:Sitzungssaal, Biegenstr. 12, 1.Stock
    18.00h Einführungsvortrag: „Spanischer Bürgerkrieg als innerspanischer Konflikt. Ursachen und Entwicklung des Spanischen Bürgerkriegs“
    Walther Bernecker, Professor für Auslandswissenschaften/romanischsprachige Kulturen an der Uni Erlangen und ausgewiesener Experte für den Spanischen Bürgerkrieg wird in seinem Vortrag aufzeigen, welche gesellschaftlichen Konfliktlinien es in der spanischen Gesellschaft vor 1936 gab und inwiefern diese in den Spanischen Bürgerkrieg mündeten. Außerdem wird der Verlauf des Spanischen Bürgerkriegs dargestellt, um so auch eine Grundlage für die folgenden Veranstaltungen zu bieten.
    20.30h Dokumentation Brigadistas
    Im Juli 1936 putschte das Militär gegen die Spanische Republik. Aus der ganzen Welt kamen über 40.000 Freiwillige nach Spanien und kämpften in den Internationalen Brigaden gegen den Faschismus. 70 Jahre danach kehren 36 der letzten noch lebenden Kämpferinnen und Kämpfer nach Spanien zurück.
    In Interviews und in den Begegnungen mit den Brigadistas werden die Zuschauerinnen und Zuschauer auf eine Reise mitgenommen, die von Madrid über Zaragossa nach Barcelona führt. Dabei wird deutlich, was zehntausende von Menschen dazu bewegt hat, aus der ganzen Welt nach Spanien zu kommen, um dort im Kampf gegen den Faschismus ihr Leben aufs Spiel zu setzen.

    BRD, 2007, 45 Min., OmdtU und OmspU,
    Regie: Daniel Burkholz
    Interviews: Heike Geisweid

  • Samstag, 19. April:
    Waggonhalle, Rudolf-Bultmann-Straße 2a
    9.30-16.30h Workshops

    1.Der Anarchismus in Spanien und die innerlinken Auseinandersetzungen in der sozialen Revolution
    9.30-11.30h
    In keinem anderen Land konnte sich eine derartig starke anarchistische Bewegung herausbilden, wie in Spanien – eine Ausnahme in der Geschichte der Arbeiterbewegung. Hierfür gibt es unterschiedliche Erklärungen – sozialgeschichtliche, aber auch politisch-ideologische. In diesem Workshop sollen die Spaltungslinien innerhalb der spanischen Arbeiterbewegung, die dann schließlich im Laufe des Bürgerkriegs und mit der Intervention internationaler politischer Kräfte aus der Linken zudem noch verstärkt wurden, nachgezeichnet werden. Neben der Perspektive auf die Entwicklung der unterschiedlichen Fraktionen in der Linken (Anarchismus, Sozialismus, Kommunismus) soll von Walther Bernecker auch das politisch-strategische Handeln im Spanischen Bürgerkrieg thematisiert werden.

    2.Erinnerungskultur und Vergangenheitsbewältigung im heutigen Spanien
    11.45-13.45h
    Der Workshop wird sich mit der geschichtspolitischen Aufarbeitung des historischen Ereignisses „Spanischer Bürgerkrieg“ im Film beschäftigen. Anhand von „fiktionalem“ und „dokumentarischem“ Filmmaterial sollen unterschiedliche Bewältigungsweisen, aber auch –strategien präsentiert werden. Neben den spanischen „Erinnerungskulturen“ im Hinblick auf den spanischen Bürgerkrieg und dem Umgang mit dem spanischen Faschismus im Allgemeinen wird sich Ulrich Winter (Professor für spanische und französische Literaturwissenschaft an der Uni Marburg) auch der Frage zu wenden, wie speziell im Medium des Films Erinnerungsarbeit geleistet wird/werden kann. Die geschichtspolitisch motivierte Verarbeitung und Symbolisierung von geschichtlichen Zusammenhängen im Film ist ein weiterer Aspekt, der in diesem Zusammenhang zu diskutieren wäre.

    3.Frauen in der sozialen Revolution
    15:00-16.30h
    Obwohl sich immer viele HistorikerInnen mit dem spanischen Bürgerkrieg beschäftigen, gibt es wenige Einblicke in die Rolle von Frauen während der sozialen Revolution und des sich anschließenden spanischen Bürgerkrieges. So entsteht leicht der Eindruck, Frauen hätten sich an den Kämpfen gegen Franco nicht oder nur in sehr geringem Maße beteiligt. Allerdings zeigt zum Beispiel die anarchistische Organisation der Mujeres Libres (freie Frauen), dass auch Frauen einen großen Anteil an den Kämpfen im spanischen Bürgerkrieg hatten. Welcher Anteil das allerdings war und wie sich dieser gestaltet hat, ist außerhalb von historischer Wissenschaft nach wie vor wenig bekannt.
    Karl Braun (Professor am Institut für europäische Ethnologie, Uni Marburg) wird sich diesem Thema in seinem Workshop widmen. Dabei werden anhand von Bildern aus der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges die verschiedenen Tätigkeiten, die Frauen in dieser Zeit ausgeführt haben, analysiert. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Veränderung der Rolle der Frau in den ersten zwei Jahren des spanischen Bürgerkrieges.

    20.00h „Erzähl mir, was passierte!“
    Waggonhalle, Bühne II, Rudolf-Bultmann-Straße 2a, 3 Euro Eintritt
    Szenische Lesungen von Texten aus dem spanischen Bürgerkrieg bzw. Erinnerungen an den spanischen Bürgerkrieg
    Die szenische Lesung wird aus Texten aus dem Umfeld des Spanischen Bürgerkriegs bestehen. Neben persönlichen Erfahrungsberichten werden auch politische Kommentare über den Verlauf des Spanischen Bürgerkriegs miteinbezogen. Der Mix aus persönlichen Erinnerungen, in denen die Verarbeitung der Geschehnisse vollzogen wird, und politischen Kommentaren soll einen Einblick in die Spannungen sowohl auf der individuellen als auch auf der politischen Ebene vermitteln. Die unterschiedliche Bewertungen, Vorstellungen, Hoffnungen und Perspektiven bzgl. dieses historische Ereignis sollen in einer multimedialen Inszenierung nahe gebracht werden: „Erzähl mir, was passierte!“