Diskurs is nich!

UPDATE#2: Wegen diverser Wahlkampfstände musste der Auftaktsort vom Heumarkt auf die Hofstatt unterhalb der Sparkasse/Heumarkt verschoben werden. 11h bleibt als Beginn.
Mittlerweile zeichnet sich ab, dass Dr. Thorsten Lange und Dr. Dr. Thor von Waldstein die Referenten sein werden.
Es war wohl die Absicht der Germania dies geheimzuhalten. Jedoch wird im Internet und in der Jungen Freiheit mit genau ihren angekündigten Themen geworben. Vermutlich veröffentlichte das Portal der Deutschen Burschenschaft www.burschenschaft.de die Namen zu schnell und die Germania veranlasste es die Namen wieder zu streichen.

UPDATE: Angeblich haben die Referenten für den Diskurs abgesagt. Der Diskurs wird aber entweder mit den angekündigten oder mit anderen Referenten trotzdem stattfinden. Die Demonstration wird auf jeden Fall stattfinden.

Demonstration am Samstag, 26.1.2008
11h Heumarkt (Nähe Marktplatz)

Diskurs is nich!
Rechte Propaganda stoppen
Deutsche Burschenschaft dichtmachen

Am 26. Januar ist es mal wieder soweit: Die Burschenschaft Germania, beheimatet in der Lutherstraße in Marburg und organisiert im rechtsextremen Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB), lädt zum Marburger Diskurs. Mit diesem „Diskurs“ ist eine Tagesveranstaltung mit verschiedenen Referenten der „Neuen Rechten“ aus dem Umfeld rechter Publikationen wie z.B. derWochenzeitung Junge Freiheit gemeint.
Dieses Jahr soll das Thema „Liberalismus im 21. Jahrhundert“ sein. Die Referenten dazu sind Dr. Thorsten Lange und Dr. Dr. Thor von Waldstein, der von 1979 bis 1982 Vorsitzender des NPDHochschulverbandes Nationaldemokratischer Hochschulbund war und heute Referent und Autor bei diversen, dem rechtsextremen Spektrum zugeordneten Zirkeln wie der Burschenschaft Danubia München, der Gesellschaft für Freie Publizistik (GFP), der Zeitschrift Staatsbriefe oder der rechtsextremen österreichischen Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik (AFP) ist. (vgl. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Thor_von_Waldstein&oldid=40075961)
Im Jahr 2006 wurden bei diesem Diskurs „Perspektiven konservativer Politik“ erkundet – im Jahr 2007 gar „der Weg zum zweiten Weltkrieg“. Selbstverständlich immer unter der Voraussetzung, dass Deutschland nicht so richtig und schon gar nicht alleine Schuld amAusbruch des zweitenWeltkrieges hatte. (Mehr Informationen im Aufruf zur letztjährigen Demonstration unter dem Motto „Deutsche TäterInnen sind keine Opfer“, http://lisa2.blogsport.de/images/03_02.pdf)
Soweit so schlecht. Doch lässt sich die Germania auch außerhalb dieser jährlichen Veranstaltung im extrem rechten Geschehen blicken: So lud sie im letzen Jahr beispielsweise den Antisemiten Gerard Menuhin zu einem Vortrag mit dem Titel „Antisemitismus als politische Waffe“ ein. In einem Interview mit der Nationalzeitung sagt dieser: „Ein Volk kann nicht ewig ausgenutzt und ausgebeutet werden. […] Besonders jetzt, da die Parteien der Mitte sich nicht voneinander unterscheiden […], sollten radikalere Parteien eine klare Sprache sprechen, um eine Alternative anzubieten.“ Wer mit diesen radikaleren Parteien gemeint ist, sollte klar sein. Eine Woche nach dieser antisemitischen Veranstaltung folgte ein Vortrag von Markus Fernbach, dem Herausgeber der Zeitschriften Hagal und Junges Forum, sowie Autoren der NPD Zeitung Deutsche Stimme. Generell sind solche Vorträge auf den Häusern der Burschenschaften, die in der Deutschen Burschenschaft zusammen geschlossen sind, keine Seltenheit. Auch bei den Nachbarn der Germania, der Burschenschaft Rheinfranken, finden ähnliche Veranstaltungen statt.
In dem Fall Menuhin entwickelten sich die Dinge für die Germania jedoch etwas anders als gewohnt: Besonders das Auftreten des als Antisemiten bekannten Gerard Menuhin löste eine überregional und lokal geführte Debatte aus, bei der auch die Gemeinnützigkeit des Hausvereins der Burschenschaft in den Fokus genommen wurde.
Es ist gängige Praxis von Studentenverbindungen, ihre Häuser offiziel als „Studentenwohnheime“ zu deklarieren, um durch die Gemeinnützigkeit Steuervergünstigungen zu erhalten. Das diese „Wohnheime“ so gut wie nur Männern offenstehen, die in den allermeisten Fällen auch noch deutsch sein müssen, ihren Wehrdienst abgeleistet haben und / oder einer bestimmte Konfession angehören, spielt in aller Regel keine Rolle.
Dass diese öffentliche Förderung im Bezug auf die Germania thematisiert wurde ist sicherlich keine schlechte Sache jedoch
konnte man in dieser Diskussion den Eindruck haben, die Germania sei ein einzelnes rechtsextremes Element. Dass es auch in Marburg verschiedene extrem rechte Burschenschaften gibt, die nahezu die gleiche Ideologie pflegen, wurde außen vorgelassen, obwohl die verschiedenen Verbindungen der DB in Marburg für sich in den letzten Jahren durchaus immer mal wieder in der Öffentlichkeit aufgrund extrem rechter Aktivitäten auffielen.
Ein weiterer Punkt, der nicht diskutiert wurde, ist die Scharnierfunktion der Burschenschaften zwischen Konservatismus und der extremen Rechten. Exemplarisch hierfür sind die bereits oben erwähnten Rheinfranken: Auf der einen Seite stehen Namen von Leuten die der extremen Rechten zugeordnet werden – auf der andern Seite lässt sich dann und wann auch CDU Prominenz blicken. So etwa im April 2007 der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSUBundestagsfraktion
Wolfgang Bosbach.
Ebenfalls ein nicht zu unterschlagender Fakt ist, dass die extrem rechten Burschenschaften von anderen Verbindungen zwar offiziell gemieden werden, jenseits der Lippenbekenntnisse die Zusammenarbeit jedoch weiter geht, z.B. im Marburger Waffenring, indem die schlagenden Verbindungen aus Marburg organisiert sind. Oder schlichtweg beim Feiern und Saufen – wie jedes Jahr am ersten Juliwochenende auf dem Marktplatz zu besichtigen ist.
Klar ist deshalb, dass sich unsere Kritik und unser Protest nicht nur gegen den Marburger Diskurs oder nur gegen die Germania wendet. Kritisiert werden muss der gesamte Sumpf dieses Milieus, in dem Germania und Co. als Kaderschmieden der extremen Rechten als besonders ekelhaft auffallen.

Aufrufende Gruppen:
Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t.
Lisa:2